Wechsel

Meine Wechseljahre waren mit 50 vorbei und mein neues Leben begann. Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere. Diese andere ist für mich immer ein Scheunentor.

An einem Nachmittag um die Äquinoktium im Frühling 2025 nahm ich einen Polster von der Couch, legte ihn auf dem Boden und setzte mich im Türkensitz darauf und fing an zu meditieren. Zuerst zehn minuten, dann 20 dann 30 minuten. Die Ruhe die ich mir auf diesem Polster gab, ließ mich zu meiner Mitte finden. Und aus dieser Mitte wollte ich gar nicht mehr weg. Schliesslich gelang es mir dieses Gefühl der Stabilität, Sicherheit und Leichtigkeit mit in meinen Alltag mitzunehmen. Langsam bemerkte ich, dass die Wichtigkeit der Dinge sich änderten. Ich hörte auf die Nachrichten zu sehen und wollte keine Schokolade mehr essen. Ich! Keine Schokolade und keine Nachrichten mehr! Der Autofahrer, der mir vor die Nase fuhr, war mir wurscht. Statt ihn schmutzig e Namen zu nennen, empfahl ich Mitleid für ihn. Ich begann mich für jede Herausforderung zu bedanken und zu fragen: Was kann ich jetzt daraus lernen?

Bei der Meditation aleine, blieb es nicht. Ich wollte unbedingt mehr lernen. Jeder Frage die ich beantwortet bekam, schlug mehr Fragen auf. Themen wie unser Bewusstsein, feinstoffliche Energien, das Chakra System und die Welt der Deities, die ich während Meditationen spürte, hörte, sah und manchmal roch. Ich wollte meine Erfahrungen besser verstehen und mit anderen teilen können. Das war alles neu und fast unglaublich für mich und es brauchte länger bis ich diese neue Welt auch wahrhaben würde.

Der Schriftsteller Rainer Maria Rilke sprach davon, Gedichte eher zu empfangen als zu erfinden. Die Musikerin Joni Mitchell sagte einmal sinngemäß, Lieder seien bereits irgendwo vorhanden und sie müsse sie nur "einfangen". Auch Paul McCartney erzählte, dass ihm die Melodie von "Yesterday" im Traum erschien. Solche Berichte finden sich bei vielen kreativen Menschen.

Kunst und Reiki: Obwohl sie auf den ersten Blick unterschiedlich erscheinen, entspringen sie derselben Quelle. Genauer gesagt durch das Kronenchakra (Sahasrara). Beide laden dazu ein, still zu werden und zuzuhören.

Ob ich ein Bild male oder während einer Reiki-Behandlung einen geschützten Raum halte – meine Aufgabe ist es nicht, jemanden zu reparieren oder zu verändern. Vielmehr schaffe ich einen Raum, in dem man sich entspannen kann, damit entstehen kann.

Wie oft finden wir eine Lösung zu einen Problem am Klo, in der Dusche, auf dem Massagetisch? Ich möchte eher behaupten, dass das Eingebungen sind, die erst dann kommen können, wenn das Hirn ausgeschaltet ist. Das ist was Menschen während meiner Reiki Therapie geben möchte — 60 Minuten Ruhe, mit sich sein, die mitte finden. Was dann geschieht ist bei jedem verschieden. In dieser Zeit treten Titel, Erwartungen und die Rollen des Alltags sanft in den Hintergrund.

Es ist für mich ein Geschenk, einem Menschen genau so begegnen zu dürfen, wie er ist, ohne den Wunsch, dass er anders sein müsste. Es geht nicht um Perfektion. Es geht darum, wirklich gesehen, angenommen und liebevoll begleitet zu werden. Für jeden Menschen, der meine Praxis betritt, einen solchen Raum halten zu dürfen, empfinde ich als großes Privileg und tiefes Geschenk.